Herzratenvariabilität-HRV

Was versteht man HRV?

Als Herzfrequenzvariabilität (HRV) wird die Fähigkeit eines Organismus bezeichnet, die Frequenz (Puls) des Herzrhythmus zu verändern. Auch im Ruhezustand treten spontan Veränderungen des zeitlichen Abstandes zwischen zwei Herzschlägen auf. Scheinbar ist unser Puls im Normalfall regelmäßig. Die leichten Schwankungen im Bereich von wenigen Millisekunden erkennen wir nicht einmal im normalen EKG. Umso erstaunlicher ist es, dass die traditionell chinesischen Ärzte die feinen Unterschiede bereits vor vielen 100 Jahren mit der Pulsdiagnostik feststellen konnten und dann auch noch ihre erschreckende Erkenntnis: „Wenn der Herzschlag so regelmäßig ist, wie der Regen auf das Dach tropft oder der Specht gegen den Baum hämmert, so wird der Patient binnen 3 Tagen versterben.“

 

Ich kann Entwarnung geben. Mit der modernen Diagnostik der HRV mit speziell dafür entwickelten EKG-Geräten sehen wir solche Befunde höchst selten, aber die fehlende natürliche Schwankung in der Frequenz sehen wir häufig. Wir untersuchen bei diesem EKG nicht so sehr das Herz, sondern viel mehr das vegetative Nervensystem, welches das Herz steuert.

Wie schon in der traditionell chinesischen Medizin beschrieben, liegt die Ursache häufig in einer“Nierenschwäche“, die das Herz angreift. Allerdings waren die Anatomiekenntnisse der TCM-Ärzte nicht sehr gut. Denn tatsächlich handelt es sich um eine Schwäche der Nebennieren, welche als Kappe auf dem oberen Pol der Nieren liegen. Die Schwäche kann ich sehr häufig mit der Tensoruntersuchung nachweisen oder auch mit Hilfe von hormonbezogenen Speicheltests. Immerhin wussten aber auch schon die TCM-Ärzte, wo die Schwäche lokalisiert war.  

 

Warum kommt es aber so oft zur Nebennierenschwäche, die sich in Konzentrationsmangel, Gedächtnis- und Schlafstörungen sowie Erschöpfungszuständen bis hin zum Burnout zeigt?

Die Nebennieren sind unsere Stressorgane. Sie produzieren viele Hormone und auch die Stresshormone Kortison, Adrenalin und Noradrenalin. Wenn ein Patient viel Stess hat, verbraucht er sehr viel von den Stesshormonen. Die Nebenniere ist dann überfordert und dies äußert sich am Herzen in einem sehr regelmäßigen Herzrhythmus, da das Vegetativum nicht mehr fähig ist, mit der natürlichen Schwingungsfähigkeit den Rhythmus zu beeinflussen.

Letztendlich können wir durch den HRV-Test weniger eine Aussage über das Herz machen, sondern vielmehr über die akute und chronische Stressbelastung.

 

Wie funktioniert der HRV-Test?

Beim HRV-Test wird das Signal über Klammelektroden an den Handgelenken abgenommen und in einem speziellen HRV-EKG ausgewertet und graphisch aufgearbeitet.

HRV resultiert aus einer langjährigen wissenschaftlichen Forschung. Der HRV-Test vereint die Standardtests der neurovegetativen Funktionsanalyse (RSA-Test , Kurzzeit-HRV, Liegen-Stehen HRV und 24 Std.HRV-Messung) und das HRV-Biofeedback in einem System. In wenigen Minuten werden der aktuelle Zustand des vegetativen Nervensystems (Sympathikus/Parasympathikus) bestimmt. Die präzise Analyse zeigt einen umfassenden Blick auf das Vegetativum und liefert Hinweis auf Ihr Gesundheitszustand.

Indikation der Untersuchung

Der HRV-Test zeigt den Patienten anschaulich, wie empfindlich und rasch unser Herz Kreislaufsystem auf psychische Belastungen reagiert und wie schädlich übermäßiger Stress sein kann. Für kardiovaskuläre Erkrankungen ist HRV-Test zu einem wichtigen Bestandteil der Basisdiagnostik geworden, weil er über die Standardverfahren hinaus verlässlich Störungen im Bereich des vegetativen Nervensystems (u.a. Stress) erfasst und die Risikoabschätzung für kardiovaskuläre Patienten verbessert.

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Dr. med. Thorsten Muthorst