Vitamin-D-Rezeptor-Blockade (VDR-Blockade)

Vitamin D stimuliert unser Immunsystem. Das ist weitgehend bekannt. Weniger bekannt ist, dass die Voraussetzung dafür ist, dass die Vitamin-D-Rezeptoren der Zellen für Vitamin D frei zugänglich sein müssen. Die Rezeptoren sind Andockstellen, über die die Vitamin-D-Wirkung vermittelt wird. Sind sie blockiert, kann sich die Vitamin-D-Wirkung nicht entfalten. Natürlich haben Viren und Bakterien kein Interesse daran, vom Immunsystem vernichtet zu werden. Im Laufe der Evolution haben sie deshalb Mechanismen entwickelt, den Rezeptor zu blockieren und sich dadurch zu schützen.

So wurde nachgewiesen, dass der Epstein-Barr-Virus (Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers) den Rezeptor 10 fach herunterreguliert, also die Wirkung von Vitamin D 10fach abschwächt.  Ähnliche Wirkungen sind bekannt vom Tuberkulose-Bakterium, dem Schimmelpils Aspergillus fumigatus, Borrelien, Chlamydien, Hepatitis-C-Virus und Cytomegalie-Virus. Sicherlich sind noch mehr Erreger dazu in der Lage, aber die Untersuchungsmethoden sind aufwendig und wurden noch nicht auf alle Erreger angewendet. Nachzuweisen ist die Blockade über einen Labortest. Hier wird das Verhältnis der Vitamin-D-Komponenten 1,25 OH D3 zu 25-OH D3 bestimmt. Ist das Verhältnis größer als 1,3, so spricht man von der VDR-Blockade.Bei Gabe von Vitamin D3 wird dieses in die aktive Form 1,25 OH D3 umgewandelt. Diese Form unterstützt dann das Immunsystem im Kampf gegen die Erreger. Da der Rezeptor der Zellen jedoch blockiert ist, kann das 1,25 OH D3 hier nicht ansetzen, um seine Wirkung zu entfalten. Damit wird immer mehr von dieser Vitamin-D-Form gebildet, welches in Verdacht steht, Entzündungen im Körper anzuheizen. Es wird an diesem Thema im West China Hospital der Sichuan University und in den USA geforscht. Es ist noch nicht alles geklärt. Theoretisch müssten sich Vitamin D3 Gaben durch die dadurch verursachte Entzündung schädlich auswirken. Tatsächlich wird bei MS durch Gabe von Vitamin D3 dennoch häufig eine Besserung beobachtet. Es stellt sich die Frage, ob bei MS immer eine VDR-Blockade vorlegt? Sehr wahrscheinlich nicht. Aber selbst wenn Vitamin D3 bei MS mit nachgewiesener Blockade wirkt, spricht das nicht gegen die ungünstige Auswirkung der VDR-Blockade. Aus der Pharmakologie kennen wir den Mechanismus der kompetetiven Hemmung eines Rezeptors. Das heißt 2 Substanzen, z.B. eine Körpereigenen und Pharmakologische wetteifern um die Besetzung eines Rezeptors. So kann die eine die andere wieder vom Rezeptor verdrängen, vor allem, wenn sie in der Überzahl ist. Das wäre auch beim VDR denkbar. Wenn sich die Menge an 1,25 OH D3 durch massive Vitamin D3 Gabe stark erhöht, ist eine Verdrängung der blockierenden Substanzen vom VDR zumindest teilweise denkbar. Dadurch könnte sich dann doch eine Vitamin D Wirkung entfalten. Solche Mechanismen kennen wir sogar aus dem Tierreich. Ein Löwe ist stärker als eine Hyäne. Der Löwe lässt sich nicht von ihr von einer Beute vertreiben. Erhöht man die Anzahl der Hyänen, nerven die Hyänen den Löwen so lange, bis er von der Beute ablässt. Die Bindung zum „Rezeptor“  Beute  wird also durch die Überzahl an Hyänen gebrochen. Der Vergleich hinkt etwas, weil es bei der VDR-Blockade nicht um psychologische Kriegsführung, sondern um biochemische Bindungsaffinitäten geht, aber das Beispiel kann der besseren Veranschaulichung dienen.  Wir kennen nicht alle Mechanismen der VDR-Blockade , aber dennoch erscheint es mir wie vielen anderen Therapeuten sinnvoll, den Rezeptor zu befreien, um die Wirkung von Vitamin D3 auf das Immunsystem zu erhöhen.  

Doch wie bekommt man den Rezeptor wieder frei?

Durch Zufall wurde entdeckt, dass der Blutdrucksenker Olmesartan dies bewerkstelligt. Allerdings kann das auch Probleme mit sich bringen, wenn man Blutdrucksenker Patienten verordnet, die die VDR-Blockade haben, aber keinen erhöhten Blutdruck. Dazu kommt noch, dass die Dosis über das gewohnte Maß bei der Blutdrucktherapie gesteigert werden muss. Ein Bluthochdruckpatient erhält üblicherweise eine Tagesdosis von 40 mg. Zur Therapie der Rezeptorblockade ist die 4fache Dosis notwendig. Das kann nicht nur zu ungewollten starken Blutdruckabsenkungen führen, sondern auch zur erheblichen finanziellen Belastung, denn Olmesartan in der Dosis ist teuer.

Prof. Marshall entdeckte die VDR-Blockade und verfasste ein Protokoll für die Behandlung. Mein Freund Dr. Jürgen Aschoff (Wuppertal) befasste sich akribisch mit dem Thema und es gelang ihm, Globuli zu Befreiung des Rezeptors zu entwickeln, die keine Blutdrucksenkung zur Folge haben.  Die Ergebnisse seiner Verlaufsbeobachtung bei zahlreichen Patienten sind beeindruckend. Er vermittelte mir die diagnostischen Maßnahmen zur VDR-Blockade und stellt interessierten Kollege wie auch mir die Globuli zur Verfügung.

Wenn es bei Einnahme zu einer Verschlechterung oder auch Erstverschlimmerung kommt, so ist das leicht erklärbar. Durch die Befreiung des Rezeptors beginnt das Immunsystem zu arbeiten. Unter anderem werden bei der Erregerabwehr Entzündungsstoffe freigesetzt, die zum typischen Infektgefühl führen. Auch Fieber kann durch die Befreiung des Rezeptors auftreten. Das ist irritierend für Patienten und die Dosis der Globuli sollte dann zunächst verringert werden. Da stellt sich die Frage: War der Patient mit der VDR-Blockade denn gesund? Nein- die Erreger sind anwesend, aber der Körper kämpft nicht dagegen. Deshalb gibt es scheinbar auch keine Symptome.

Die Kenntnis der Problematik löste für mich ein jahrzehntelanges Rätsel. Im Studium sagte mein Freund, der vor dem Studium Heilpraktiker war, dass Krebspatienten oft ihren Therapeuten berichtet hätten, dass sie die Erkrankung „aus heiterem Himmel“ getroffen habe. Sie seien 20 Jahre lang infektfrei und nicht krank gewesen und dann die Katastrophe. Ich hatte dazu keine Theorie. Ca. 10 Jahre später las ich den genannten Sachverhalt noch einmal an der Tankstelle in einer Schlagzeile und einem Artikel der Bildzeitung. Die Bildzeitung kann man zwar nicht als medizinische Fortbildungszeitschrift bezeichnen, aber dennoch wunderte ich mich über die jetzt schriftliche Erinnerung an den rätselhaften Zusammenhang.

Ich diskutierte es mit naturheilkundlich und ganzheitlich orientierten Kollegen, aber wir kamen zu keiner schlüssigen Auflösung des Rätsels. Erst 30 Jahre später im Vortrag von Dr. Aschhoff fand sich die Lösung. Die VDR-Blockade verhindert weitgehend die Infektsymptome wie z.B. Fieber, aber die Erreger sind da. Und dass sich bei der VDR und der damit verbundenen Unterdrückung des Immunsystems häufiger Krebserkrankungen ergeben, ist naheliegend.

Außerdem kann die VDR-Blockade folgende Symptome und Krankheiten bedingen oder dazu beitragen:

Bipolare Störung, Depression, Panikattacken, Demenz, Zwangsstörungen, Amyotrohpe Lateralsklerose, Autismus (Asperger Syndrom), chronische Müdigkeit (CFS), Barret-Ösophagus, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Diabetes mellitus Typ I und II, Diabetes insipidus, Hshimoto-Thyreoiditis, Epilepsie, Rhythmusstörungen, Borreliose, Lupus erythematodes, Multiple Chemiekalien-Sensitivität (MCS), Fibromyalgie, Epilepsie, M. Bechterew, M. Parkinson, Multiple Sklerose, Migräne, Neuropathien, Arthritis, chronische Polyarthritis, Myasthenia gravis, Nierensteine, Pilzinfektionen, auch des Darmes, Psoriasis (Schuppenflechte), Psoriasisarthritis, Sarkoidose, Raynaud-Syndrom, Sjögren-Syndrom, M. Sudeck, Sklerodermie, Uveitis, Vertigo, Zystitis chronica (chronische Blasenentzündung), Zöliakie, M. ReiterReizdarm, Reflux-Erkrankung, Restless Leg Syndrom, Prostatitis (Prostataentzündung, posturale Tachykardiesyndrom (POTS, Benommenheit und Schwindel bei Aufstehen aus dem Liegen)

 

In einer Studie wurden Patienten bezüglich 20 der o.g. Diagnose untersucht. Bei Behandlung wurde eine Symptomverbesserung bei 81% der Patienten in einem Zeitraum von 18 bis 53 Monaten beobachtet. Es dauert also unter Umständen einige Zeit und die VDR-Blockade sollte dabei laborchemisch kontrolliert werden.

Haben Sie Symptome wiedererkannt? In jedem Fall lohnt es sich den VDR zu untersuchen.  

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