Intervall Hypoxie Therapie (IHT)

Die Kraftwerke unserer Zellen: die Mitochondrien

Um die Wirkung des Intervall-Hypoxie-Trainings (IHT) zu verstehen, ist eine Betrachtung unserer Mitochondrien notwendig. Die Mitochondrien sind Kraft- und Wunderwerke unserer Körperzellen. Je nach Energiebedarf verfügt jede Körperzelle über 1000 bis 3000 Mitochondrien. Doch wie funktionieren sie? Um einen Raum zu heizen, können wir Holz in einem Ofen verbrennen und uns wird behaglich warm. Das Gleiche geschieht auch in jeder Körperzelle, denn hier werden die aufgenommenen Nährstoffe verbrannt. Abgase atmen wir aus in Form von CO2. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: die offene Flamme können wir uns im Körper nicht leisten. Dafür hat die Evolution mit den Mitochondrien hochspezialisierte Kraftwerke hervorgebracht, die über komplizierte biochemische Prozesse die Verbrennung und Energiegewinnung für den Körper möglich machen. Die Mitochondrien haben aber auch noch viele andere Aufgaben, wie zum Beispiel das Abschalten von entstehenden Krebszellen und die Beteiligung an der Hormonproduktion. Sie spielen eine Rolle bei der Gewichtsabnahme, denn intakte Mitochondrien verbrennen mehr Nährstoffe und wirken der Fetteinlagerung entgegen. Fünf Sekunden würden wir noch leben, wenn unsere Mitochondrien plötzlich ausfallen würden. Das unterstreicht die Bedeutung dieser Kraftwerke für unsere Lebensqualität und Leistungsfähigkeit.

Die Mitochondrien in der täglichen Praxis

Glücklicher Weise fallen unsere Mitochondrien nicht plötzlich aus. Aber bei vielen Menschen schwächeln sie. Das führt zunächst zu chronischer Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen, Burnout, Muskelschwäche und Luftnot bei Belastungen. In der Folge entwickeln sich häufig chronische Krankheiten. Die Mitochondrienschwäche wird auch als Mitochondropathie bezeichnet. Diese kann angeboren sein oder über Alterungsprozesse entstehen. Wenn ein älterer Mensch die Treppe nicht mehr so schnell steigen kann wie in der Jugend, liegt es am Schwächeln der Mitochondrien des Herzens. Herzschwäche bedeutet Mitochondrienschwäche, denn mit einem Volumenanteil von 36% des Herzens bestimmen Mitochondrien die Pumpleistung des Herzens. Es gibt in jeder Zelle besser und schlechter funktionierende Mitochondrien. Die leistungsstarken Mitochondrien generieren viel Energie und verursachen wenig Ausstoß von schädlichen freien Radikalen. Die schwachen Mitochondrien sind ineffektiv in der Energiegewinnung, setzen aber viele freie Radikale frei, die nicht nur die Zellstrukturen, sondern auch die besseren Mitochondrien unter Beschuss nehmen. Dadurch werden auch noch die guten Mitochondrien in der mühsamen Energiegewinnung behindert.

 

Die Intervall-Hypoxie-Therapie (IHT)

Da die Verbrennung und Energiegewinnung sauerstoffabhängig ist, hatten Therapeuten früher die Idee, einfach Sauerstoff inhalieren zu lassen, um eine Leistungsverbesserung herbeizuführen. Schließlich lässt sich eine Motorleistung ja auch durch Sauerstoffzugabe steigern. Derartige Ansätze sind bei technischen Entwicklungen häufig erfolgreich, aber in der Medizin sind die Zusammenhänge nicht so einfach wie sie scheinen. Das stellten auch Forscher der russischen und US-amerikanischen Raumfahrt fest. Astronauten erlebten eine Leistungssteigerung, wenn  sie konsequent Höhenluft mit vermindertem Sauerstoffgehalt ausgesetzt waren. Wie konnte das sein? Mit der Zellteilung im Laufe unseres Lebens müssen ständig die Mitochondrien kopiert werden, wobei sich Fehler einschleichen, die zu weiteren Qualitäts- und Leistungseinbußen der Mitochondrien führen. Die schadhaften Mitochondrien sind kleiner und können schneller als die guten Mitochondrien vermehrt werden, was das Problem noch verschärft. Wie wäre es denn, wenn wir nur die guten Mitochondrien vermehren und die Schlechten aussortieren könnten nach dem Motto: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“? Dies ist mit dem IHT möglich. Die angeschlagenen Mitochondrien überleben den IHT-bedingten Sauerstoffmangel nicht und die leistungsfähigen Kraftwerke vermehren sich unter der Therapie. Es wird auch diskutiert, ob nicht Geräte, die Intervalle von Höhenluft und anschließend Intervalle von erhöhtem Sauerstoff liefern (sogenannte IHHT-Geräte),  effektiver seien. In Studien konnte der Effekt auf die Mitochondrien aber einzig und alleine für die Inhalation der Höhenluft und nicht für die Sauerstoffreichere Luft nachgewiesen werden, so dass eine bessere Wirkung der IHHT-Geräte nicht anzunehmen ist. Bei der Anschaffung des Gerätes erschien es mir wichtiger, dass sich die Sauerstoffkonzentration mithilfe eingebauter Biofeedbacksensoren auf die Bedürfnisse des Patienten einstellt. Viele Geräte liefern fest eingestellte Sauerstoffkonzentrationen, die den Anforderungen durch den Patienten nicht gerecht werden. Zur Sauerstofftherapie mithilfe von O2 Konzentratoren: Ist es denn überhaupt sinnvoll, Patienten einzig und alleine mit erhöhten Sauerstoffkonzentration zu behandeln? Die Antwort heißt: JA. Bei anderen Erkrankungen hat die reine Sauerstofftherapie auch Ihre Berechtigung, aber eben nicht zur Verbesserung der Mitochondrienleistung. Einige Patienten, mit Atemwegserkrankungen, wie zum Beispiel COPD, sind für IHT nicht geeignet, da IHT bei Ihnen die Lungen-Symptome verschlimmern kann.

Wie erfolgt die IHT?

In entspannter Haltung, halb sitzend oder liegend, atmet der Patient über eine Maske in bestimmten Intervallen ein Sauerstoffgemisch ein. Dabei inhaliert er abwechselnd Höhenluft mit vermindertem Sauerstoffgehalt und ein Gemisch mit normalen Sauerstoffgehalt ein. Das hochentwickelte Gerät „OnePlus R3“ passt die Konzentration an die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten an. Dies wird über aktuell gemessene Sauerstoffwerte im Biofeedback-Modus sichergestellt. Der Patient kann bequem alle Diagramme und Messwerte am Monitor mit verfolgen. Während der Anwendungen können sich die leistungsstarken, vitalen Mitochondrien in den Zellen vermehren und zunehmend Energie spenden. Je nach Schweregrad von Erkrankungen oder Mitochondrienschwäche  sind 10-20 Behandlungen mit einer Dauer von 30-45 Min. innerhalb von 2 bis 6 Wochen empfehlenswert.  

Nachgewiesene Effekte der IHT

 

  • Erhöhte Sauerstoffzufuhr zu den Muskeln und bessere Sauerstoffnutzung

  • Niedrigerer Ruhepuls

  • Größere Atemtiefe

  • Erhöhte Kapillardichte der Muskulatur

  • Steigerung der Angiogenesefaktoren

  • Steigerung der oxidativen Systeme der Mitochondrien

  • Erhöhte ATP-Aktivität

  • Erhöhung der Enzyme für den Fettstoffwechsel

  • Erhöhung des Myoglobins

  • Steigerung der Arbeitsleistung (PWC = Leistung bei definierter Herzfrequenz)  um ca. 25% im Versuch

  • Verlängerung der Zeitdauer bis zur Erschöpfung (34 % gemessen an 5 Hochleistungssportlern)

  • Vermehrung der leistungsfähigen Mitochondrien

  • Verringerung der ineffizienten Mitochondrien

  • Steigerung von EPO, HSP70, Zytoglobinen, Transferrin Caeruloplasmin und intrazellulärem Glycogen

  • Steigerung der Fettverbrennung

  • Steigerung der Konzentration

  • Steigerung der mentalen und physischen Leistungsfähigkeit

  • Steigerung der Insulinsensitivität

  • Absenkung des Blutdruckes

  • Verbesserung der Hormonproduktion

  • Verbesserung des Schlafes

  • Verbesserung der Wund- und Knochenheilung

  • Verbesserung der Haut

  • Verlängerung der Gehstrecke

  • Förderung der Ödemausschwemmung

  • Steigerung des Lactatabbaus

  • Verbesserung der Symptomatik bei chronischer Borreliose

  • Besserung der Gedächtnisleistung bei Demenz (im Versuch nachgewiesen, Anwendungsbeobachtungen oder Studien bei größeren Kollektiven fehlen noch)

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Dr. med. Thorsten Muthorst