Ursachen der Mitochondropathie

 

Die Mitochondropathie kann angeboren oder erworben sein. Wenn sie angeboren ist, so wurde sie von der Mutter vererbt, da die Mitochondrien immer aus der mütterlichen Eizelle stammen. Sie sind also unabhängig von unserem Erbgut. Leider verfügen die Mitochondrien auch nicht über eigene Reparaturmechanismen, so dass geschädigte Mitochondrien über Generationen von den Müttern auf die Kinder weiter vererbt werden.

 

Die erworbene Mitochondropathie entsteht aus der Schädigung ursprünglich intakter Mitochondrien. Chemikalien können direkt die Mitochondrien schädigen oder sie führen in den Zellen verstärkt zu Stickstoffmonoxidverbindungen, auch NO oder nitrosativer Stress genannt. Ein Sonderfall ist, dass NO auch durch Verletzungen der Halswirbelsäule (HWS) herbeigeführt werden kann. Lockern sich nämlich die Bänder der Halswirbelsäule, z.B. bei einem Schleudertrauma, so führt dies häufig zu einer gesteigerten NO-Bildung. Durch HWS-Bewegungen am Tage oder im Schlaf kann es zum Druck auf das Rückenmark der HWS kommen.  Dadurch kommt es im Rahmen dieser Streßreaktion zu verstärkter NO-Bildung. Deshalb frage ich bei Erhebung der Krankengeschichte nach derartigen Verletzungen. Mir ist außerdem bewusst, dass Patienten sich an einen Treppensturz in der Kindheit, eine Gehirnerschütterung oder den Sturz vom Wickeltisch in der Regel nicht sofort erinnern. Deshalb gebe ich ihnen immer ein paar Tage Zeit, die Vergangenheit aufzuarbeiten, um vielleicht doch einen Hinweis auf ein entsprechendes Ereignis zu finden.

 

NO schwächt, wie beschrieben,  die Energieproduktion in den Mitochondrien. Dieser Zustand kann durch Zufuhr bestimmter Vitamine und Mineralien wieder gut gebessert werden.

Es wäre mit der NO-Bildung eigentlich schon kompliziert genug. Dabei bleibt es leider häufig nicht.

NO kann in einer Reaktion mit Sauerstoffperoxid Nitrophenylessigsäure bilden. Diese schwächt die Mitochondrien in einem noch viel stärkeren Maße. Deshalb untersuchen wir in unserer Praxis bei Verdacht auf Mitochondropathie  auch die Nitrophenylessigsäure. gibt mittlerweile weitere gute Verfahren, um die Mitochondrienfunktion im Labor abzuklären. 

 

Ursachen, die zur Bildung von NO und damit zur Mitochondropathie führen können:

 

  • HWS-Verletzung

  • Infekte

  • Impfungen

  • Psychische Traumatisierung

  • Chron. Stressbelastungen

  • Nitratreiche Lebensmittel (Geräuchertes und kunstdüngerbelastete Speisen)

  • Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel

  • Insktizide, Pestizide, Lösungsmittel

  • Schwermetalle, Farbstoffe, Konservierungsmittel

  • Die meisten Medikamente (z.B. Antibiotika, Cholesterinsenker, Nitrate, Potenzmittel, Antidiabetika, Psychopharmaka, Blutdruckmittel, die „Pille“ etc.)

 

 

 

Als ich das erste Mal von der Mitochondropathie hörte, habe ich die Tragweite nicht gleich erkannt. Wie es so schön heißt: „Es wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird!“  Mit dieser universellen Strategie der Krisenbewältigung wollte ich auch an die Mitochondropathie herangehen, wurde aber schnell eines Besseren belehrt.  Während Hypochonder Symptome zu ernst nehmen, neigen Ärzte dazu, Krankheitsbilder wie die Mitochondropathie nicht so ernst zu nehmen. Schließlich leben wir ja schon länger damit! Ein Kollege sagte nach einer Fortbildung über Mitochondropathie, dass es ja nicht so schlimm sein könne, da wir sonst ja schon alle ausgestorben wären.

 

Leider hat dieser Kollege so wenig Recht wie ich mit meiner anfänglichen Einschätzung. Dr. Kuklinski sagte, dass wir durch mitochondrienschädigende Substanzen die Mitochondrien über Generationen bis zum Ende der Menschheit schädigen würden. Ich grübelte darüber und überlegte, ob ich es bestätigen oder widerlegen könnte. Da half mir ein beobachtetes Phänomen:  die Muskelkraft, zum Beispiel bei Klimmzügen, ist im Wesentlichen abhängig vom ATP und damit von der Mitochondrienfunktion. ATP ist in der Zelle wie eine gefüllte Batterie. Nach verbrauchter Energie laden die Mitochondrien die Batterie wieder auf, indem sie aus dem aus dem verbrauchten ATP (ADP) wieder ATP machen. Mir war aufgefallen, dass Einheimische aus Südamerika und Afrika eine viel stärkere Muskelkraft aufwiesen als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Bezüglich der Afrikaner  wurde mir dies auch von einem Kollegen bestätigt, der längere Zeit in Tansania gearbeitet hatte. Da unsere Muskeln sich weltweit genetisch nicht wesentlich unterscheiden, kann der Unterschied der Kraftentwicklung nur in den Mitochondrien liegen!

Die Mitteleuropäer sind seit der industriellen Revolution über Generationen höheren Schadstoffbelastungen ausgesetzt. Unsere Bleikonzentrationen sind seitdem 250 fach höher und aus EU-Krematorien werden jährlich 3500 Tonnen Quecksilber freigesetzt. Dies sind nur 2 Beispiele, die zur Annahme Anlass geben, dass die Entwicklung in den Industrieländern nicht schadlos an unseren Mitochondrien vorübergegangen ist. In Entwicklungsländern gibt es die Schadstoffbelastungen noch nicht über so lange Zeit und so viele Generationen. Leider holen sie schnell auf und haben uns oft schon überholt, was man an den Schwermetallbelastungen ablesen kann. Die Auswirkungen werden sich in den folgenden Generationen zeigen.

 

Wir müssen uns außerdem fragen, warum die Anzahl  chronischer Krankheiten und Krebserkrankungen ständig ansteigt. Eine Ursache dafür könnte die  Mitochondropathie sein. Schwächelde Mitochondrien begünstigen Krebs, welcher schließlich die Mitochondrien ganz abschaltet. Die Erfahrung, dass Kinder mit sehr schwerer angeborener Mitochondropathie das 10.Lebensjahr nicht erreichen, legt nahe, dass auch geringer ausgeprägte Mitochondropathien zu einer verkürzten Lebenserwartung führen.

 

Die Mitochondropathie ist also keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen!

  • Black Facebook Icon

Dr. med. Thorsten Muthorst